Recherche, Visualisierung, interaktive Videos: Neue Tools für Journalisten

Ich schätze die re:publica und die parallel stattfindende Media Convention, weil ich dort immer neue Tools kennenlerne, die den Journalismus einfacher machen (wollen). Das ist meine diesjährige Ausbeute.

Facebook-Profilsuche mit Peoplefindthor

Suchmaske von Peoplefindthor

Facebook lässt sich ja nicht besonders gut durchsuchen, die Formulierung von Social-Graph-Search-Anfragen ist nicht gerade trivial. Zwar gibt es schon einige Tools, die dabei helfen, das Facebook-Tool von Michael Bazzell etwa oder die Graph-Tips von Henk van Ess. Am schlanksten und am einfachsten zu bedienen ist für meinen Geschmack das Tool, das ich im Rahmen der Online-Recherche-Battle kennengelernt habe: peoplefindthor.dk. Hier kann man in einem Dropdown-Menü aus bis zu 13 Facebook-Profil-Kriterien auswählen, von Name über Alter, Arbeitgeber, Geschlecht, Wohnort und dann eben jeweils die gewünschten Merkmale eingeben. Die Suche startet mit einem Klick auf „Search Facebook“ (damit es funktioniert muss man auf FB eingeloggt sein) und voilà bekommt man eine Anzeige der gewünschten Profile.

Behördenanfragen mit Frag den Staat +

Schon vor ein paar Jahren hat die Open Knowledge Foundation das Portal fragdenstaat.de aufgesetzt, um Bürgern, aber auch Journalisten, Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz einfacher zu machen. Außerdem werden dort alle Antworten auf die Anfragen transparent dokumentiert. Nach wie vor umständlich ist es, wenn man eine gleichlautende Anfrage an viele Behörden gleichzeitig stellen will, etwa wie viele Kita-Plätze es gibt. Diese sogenannte Batch-Anfrage ist eine zentrale Funktion der Profi-Version Frag den Staat +. Batch-Anfragen können öffentlich oder nicht-öffentlich, alleine oder im Team gestellt werden. Vor allem die Möglichkeit der Crowd-Recherche dürfte für viele Journalisten interessant sein. In der Testphase haben z.B. Spiegel Online, taz, RBB, BR, detektor.fm, buzzfeed, correctiv, Funke und die Stuttgarter Zeitung mitgemacht. Noch ist Frag den Staat + nicht öffentlich verfügbar, wer Interesse hat kann bei Projektleiter Arne Semsrott unter info@fragdenstaat.de einen Test-Account beantragen.

Regionalstatistik leichter nutzen mit datengui.de

Für Datenjournalisten, die ihren Fokus auf eine ganz bestimmte Region legen wollen, ist die Regionalstatistik des Statistischen Bundesamtes eine wertvolle Datenbank. Allerdings ist regionalstatistik.de nicht ganz leicht zu bedienen, bis man bei den richtigen Daten ist, sind einige Klicks nötig. Hier setzen die beiden Correctiv-Datenjournalisten Simon Jockers und Simon Wörpel mit ihrem Projekt
Datenguide an. Sie haben einen Datenpipeline gebaut, die alle Statistiken aus regionalstatistik.de herunterlädt und sie auf Datengui.de ablegt. Der Gag dabei: Für jede deutsche Stadt gibt es eine eigene Profilseite mit drei Reitern: den Daten, einer zugehörigen Visualisierung und einer Schnittstelle zum Datendownload (in der Programmiersprache GraphQL). Praktisch ist auch die direkte Vergleichsmöglichkeit mit Nachbargemeinden. Die fertige Version des Datenguide soll auf der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche am 29. und 30. Juni in Hamburg vorgestellt werden.

Fürs Erste werden nur Daten aus regionalstatistik.de gescraped, später will Datengui.de noch mehr Quellen einbinden.

Datenvisualisierung für Redaktionen mit Svift

Svift hat einen Chatbot gebaut, der den Nutzer Schritt für Schritt zur gewünschten Grafik führt.

Bleiben wir gleich beim Datenjournalismus bzw. bei der Datenvisualisierung. Journalisten interessieren sich immer für leicht zu bedienende Dataviz-Tools und genau an diesem Punkt setzt Svift an. Das Tool will einen möglichst barrierearmen Einstieg in die Welt der Datenvisualisierung liefern. Das soll dadurch passieren, dass der Anwender mit einem Chat-Bot „reden“ und somit den geeigneten Diagrammtyp auswählen kann. Svift verspricht ästehtisch ansehnliche Diagramme erstellen lassen, die man auch leicht in den sozialen Netzwerken weiternutzen kann. Das Tool ist Open Source und in der Basisversion für jedermann frei nutzbar. Svift wendet sich jedoch auch gezielt an Redaktionen und Medienhäuser, denen man ein Freemium Modell mit eigenem Server etc., schnelleren Ladezeiten, Support und weiteren Funktionen anbietet. Momentan ist Svift noch in der private Beta-Testing-Phase mit Institutionen, die public Beta-Phase soll im Laufe des Jahres kommen. Wer schon jetzt mittesten möchte, kann das per Mail an hello@svift.xyz beantragen.

Interaktive Video-Reportagen mit Frametrail

Im Frametrail-Backend kann man das Video mit Links anreichern – genau dort, wo es inhaltlich passt.

Die beiden Dokumentarfilmer Eva Stotz und Frederic Dubois haben auf der Media Convention ihren interaktiven Dokumentarfilm Fieldtrip vorgestellt, in dem es um das Leben auf dem Tempelhofer Feld in Berlin geht. Die einzelnen Videos wurden mit dem Open-Source-Tool Frametrail erstellt. Frametrail ist eine browser-basierte Videoschnitt-Software, die die Videobearbeitung mit dem guten alten Hyperlink-Prinzip verheiratet. Das heißt man kann jede gewünschte Stelle des Videos mit Einblendungen, Anmerkungen, Dokumenten, Bildern oder interaktiven Karten anreicher. Frametrail wendet sich speziell an Journalisten und führt z.B. Fact-Check-Formate, investigative Reportagen, Bürgerjournalismus oder die Begleitung von Parlamentsdebatten als geeignete Einsatzszenarien auf. Stotz und Dubois sagten auf der Media Convention, Frametrail eigne sich gut für Reportagen von komplexen Orten mit verschiedenen interessanten Schauplätzen wie etwa einem Stadion.

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