BR.de-Relaunch: schön, aber mit Schönheitsfehlern
Der Bayerische Rundfunk hat seiner Website die dringend nötige Frischzellenkur genehmigt. Was auf den ersten Blick schön aussieht, hat aber ein paar inhaltliche Schönheitsfehler.
An der Zeit war’s: die Website des Bayerischen Rundfunks hatte ein Design, das an das frühe 21. Jahrhundert erinnerte. Jetzt also ein Relaunch, der einiges nachholt und die Seite up to date macht. Erster Eindruck: der BR hat ordentlich aufgeräumt, viele kleine Kästen und Boxen rausgeschmissen. Resultat: eine viel übersichtlichere Seite. Die Homepage www.br.de (der BR war schnell genug, sich die begehrte 2-Buchstaben URL zu sichern, wobei www.br-online.de weiterbesteht) hat einen großen Aufmacher und etwa ein Dutzend Ressortkästen, die an den Ecken gerundet sind.
Der “Bühne” genannte Aufmacherkasten ist optisch gut erkennbar und bietet Platz für drei Themen (oder drei Aspekte eines Themas). Immerhin rotieren die drei Geschichten nicht so nervig herum, wie das viele Websites von Lokalzeitungen machen. Allerdings gibt es nirgendwo eine thematische Dachzeile und auch keine Teaser, was dazu führt, dass besonders aussagekräftige Überschriften à la “Wie geht’s weiter?” verloren über einem großen Bild stehen. Hier fehlt jeglicher Kontext, es gibt gerade mal einen Link zu einem Text (oder Video oder Audio).
Deutlich besser gelöst ist das bei den Ressortkästen: Hier gibt es Spitzmarke, Überschrift und Teaser, dazu ein Bild, in dem ein Icon anzeigt, um welche Art von Content es sich handelt. Um die Homepage nicht zu lang werden zu lassen, wird in jedem Ressortkasten nur die Topmeldung angezeigt, zwei weitere Themen kann man via Klick auf ein Pfeilsymbol ansteuern. Manko: die Schrift in den Kästen ist arg klein geraten und es gibt keine Funktion, sie zu vergrößern.
Mobile Version gelungen
Während die Homepage nur aus solchen Kästen besteht, die in drei Spalten angeordnet sind, ist auf Artikelebene die Zweispaltigkeit die Regel. Links der Text, rechts Kontextkästen. Die “Masternavigation” ist wie bisher horizontal auf jeder Seite angebracht und ermöglicht den Direkteinstieg in “Radio”, “Fernsehen”, “Themen” und “Mediathek” bzw. einzelne Unterrubriken, die als Drop-Down-Navi aufgehen. Sieht ein bisschen gefälliger aus als bislang. Dieses “‘Flyout-Menü’ funktioniert übrigens auch mit mobilen Geräten wie einem Smartphone oder Tablet geht auch auf mobilen Geräten”, heißt es im Begleitartikel zum Relaunch. Na ja, auf dem iPhone ist es sehr fummelig, die Navigationspunkte zu erwischen, auf dem iPad geht es etwas besser. Prinzipiell ist die Seite dort aber sehr gut nutzbar.
In Sachen Multimedia bietet die neue Seite die Möglichkeit, Audios und Videos direkt von der Startseite aus abzuspielen. Nice to have, aber nicht revolutionär.
Nach wie vor nicht zeitgemäß ist der Umgang der Münchner mit Leserfeedback. Im Rundfunkhaus ist man stolz auf die Neuerung der Kommentarfunktion:
Bisher mussten wir darauf vertrauen, dass Sie uns Ihre Gedanken zu einem Thema per Mail, Brief, sozialem Netzwerk oder Telefon mitteilten. In Zukunft wird es dafür auch die Kommentarfunktion geben: Bei besonders kontroversen Themen können Sie direkt im Anschluss an einen Artikel mitreden.
Im Jahr 2011 ringt sich der BR also dazu durch, das allseits selbstverständliche Kommentieren zu erlauben – aber nur im Prinzip, nicht generell. Das ist ein Armutszeugnis. Nicht mal in dem eben zitierten Einführungsartikel zum Relaunch ist das möglich, obwohl dort groß der Zwischentitel “Sagen Sie uns Ihre Meinung” prangt.
Unter dem Strich bleibt eine optisch aufgefrischte Seite, die viel übersichtlicher als die alte ist und die Navigation vereinfacht hat. Punktabzüge gibt es für das spartanische Aufmacherkonzept und die “kommentieren-lassen-wir-euch-nur-wenn-es-uns-passt”-Haltung.
Eine mehr an optischen Fragen orientierte Sitekritik gibt es beim Designtagebuch
Links zum digitalen Journalismus auf Diigo- Online-Journalismus: Mehr Erklärbären! « … Kaffee bei mir?
- Twitternde Politiker
- Parteispenden-Watch - taz.de
- Seehofers Facebook-Party: Ansturm bleibt zunächst - Politik - Aktuelles - merkur-online
- Text im Online-Journalismus: Der Online-Teaser – Eine eigenständige Textsorte? - Jens Wollweber - Google Books
Twitter
- RT @homofaber: Neue Jobs: Traffic Conductor, EE Director, CJ Educator, Crowd Intake Co-Ordinator, TI Controller, COCC, EQ http://t.co/tW ... 16.05.2012
- Vorbildlich sortiert: Die Übersichtsseite zu Aktivitäten in Sozialen Netzwerken des Bayerischen Rundfunks: http://t.co/DAZF2WjM 15.05.2012
- Schönes Beispiel fürs #Kuratieren von Nutzerinhalten: Die "Web-Reaktionen auf #Seehofer" bei Heute.de: http://t.co/byYpsKfk 15.05.2012
- RT @kathrinpassig: Wenn der Spam zu sehr stört: Unter http://t.co/yJmtjtUv gibt's den #ftoj-Twitterstream handgefiltert. 14.05.2012
- RT @tapioliller: Cooles Projekt, die @rundshow -@gutjahr präsentiert beim #ftoj per Skypeschalte. Heute Abend Premiere beim #BR Fernsehen. 14.05.2012
- RT @tmrazek: Jetzt Richard @gutjahr per Skype - "sieht aus wie im Gefängnis", sagt junge Dame hinter mir (äh, der Hintegrund) (-; #ftoj 14.05.2012
Schlagwörter
Aggregieren App Audioslideshow Ausbildung Bayerischer Rundfunk Besser Online BR Crossmedia Daily Datenjournalismus ddj Deutscher Reporterpreis Digital DJS Echtzeitkommunikation Guttenberg Hacker iPad Krisen-PR Kuratieren Links Hyperlinks Print Zeitung Live-Ticker Medienjournalismus Mobil MoJane Multimedia Murdoch Online-PR PaidContent Prosument Redesign Relaunch Reportage Rhein-Zeitung Social Media Storify Storytelling SZ SZ-Magazin Süddeutsche süddeutsche.de Trends Twitter Usability Wikileaks







