The Daily: optisch top, inhaltlich ein Flop

Aufmacher der ersten Daily-Ausgabe
Aufmacher der ersten Daily-Ausgabe

Mit großem Trara ist Rupert Murdochs „Daily“ vorgestellt worden: Die Zeitung nur fürs iPad setzt auf multimedialen Genuss – inhaltlich handelt es sich eher um Hausmannskost.

Die Zeitungsbranche sieht im iPad die große Chance zur Paid Content-Renaissance. Der Paid Content-Verfechter mit dem größten Namen und zugleich größtem Enthusiasmus ist Rupert Murdoch.  Sein neuester Wurf, der am 2. Februar vorgestellt wurde, heißt „The Daily„. Von der Anmutung her kommt „The Daily“ wie eine Zeitung daher, gedruckt gibt es sie aber gar nicht, es handelt sich um ein digitales Produkt, das – erst einmal – nur auf Apples iPad zu haben ist. Die Benutzerführung wird im firmeneigenen Image-Video gut erklärt:

In dem Video wird gezeigt, wodurch sich „The Daily“ auszeichnet: Multimediale Inhalte: Bildergalerien, Videos, interaktive Karten und – besonders schick – Bilder, die man per Fingerstreich um 360 Grad drehen kann. Auch die Vernetzung mit den sozialen Netzwerken ist gegeben und aktualisiert wird das Ganze auch mehrmals täglich. Wenn „The Daily“ hier vielleicht nicht state-of-the-art wie Wired ist, so handelt es sich zumindest um ein ansehnliches Produkt, was Multimedialität, Interaktivität und Aktualität anbelangt. (was man nicht von allen deutschen Verlagshäusern sagen kann, die mit Gedanken an eine „entschleunigte“ oder „in sich abgeschlossene“ iPad-App spielen).

So weit, so gut. Punktabzug gibt es beim Lesestoff: Zumindest in der Erstausgabe war kein journalistischer Leckerbissen dabei, keine besonders gut recherchierte, geschriebene oder gar exklusive Geschichte. Die Texte sind kurz und kommen eher als Beiwerk daher. Meedia-Herausgeber Dirk Manthey bilanziert:

In dieser Zeitung steht praktisch nichts drin! Die Stories sind alt und oberflächlich, es fehlen journalistische Schwerpunkte, alles plätschert so dahin.

Auch Spiegel Online stört sich an den „dürren Texten“, das US-Tech- und Social Media-Blog Mashable urteilt: „Insgesamt gibt es viel mehr visuellen als Text-Content – und die geschriebenen Inhalte sind relativ schlecht.“

Jetzt bleibt die spannende Frage, ob dieser Mix aus optischem Genuss und journalistischer Hausmannskost am Markt Erfolg haben wird: 99 Cent pro Woche oder 40 Dollar soll „The Daily“ kosten.

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