Best of „Besser Online“ 2014

„Das Netz in die Hand nehmen“ lautete das Motto, unter dem der Deutsche Journalistenverband (DJV) in die Berliner Kalkscheune eingeladen hatte. Das Spektrum war weit, von SEO über Datenjournalismus und mobile Reporting bis zu Bezahlmodellen. Hier die Dokumentation.

https://storify.com/berndoswald/besser-online-2014

Was ist eigentlich Prozessjournalismus?

Im Rahmen eines Webinars für die FES-Journalistenakademie zum Thema „Innovatives Storytelling“ haben wir uns in einer Sitzung mit dem Thema „Prozessjournalismus“ beschäftigt. Das journalistische Arbeiten führt immer seltener zu einem in sich abgeschlossenen Produkt, sondern wird immer mehr ein Prozess: bei Recherche, bei Aktualisierungen, bei Weiterdrehs. Ich habe ein paar Beispiele vorgestellt (u.a. Live-Blogs) und auch die Phänomene „structured journalism“ und „Crowdsourcing“ angesprochen. Hier die zugehörige Präsentation:

1202 Gigs in 34 Jahren: Die Konzert-Welt von Depeche Mode

Im März haben Depeche Mode die „Delta Machine Tour“ abgeschlossen, ihre nach eigener Zählung 17. Tour. Viele DM-Fans feierten wieder bei einem oder mehreren Konzerten mit und haben das auch in Fanreports festgehalten. Ich war selbst im Münchner Olympiastadion dabei – und fragte mich danach: Wo haben DM eigentlich schon überall gespielt – und welchen Stellenwert hat Deutschland über die Jahre im DM-Tourkalender gehabt? Also habe ich mir von der DM-Tour-Archiv-Seite die Daten aller 1202 Mode-Konzerte seit 1980 in ein Excel-Dokument gezogen und ausgewertet. Das Resultat: 169 Mal spielten die Jungs hierzulande. Pro Tour sind das im Schnitt elf Auftritte in Deutschland. Mehr als jedes zehnte DM-Konzert hat in Deutschland stattgefunden. Insgesamt liegt Deutschland auf Platz 3 hinter den USA (341) und Großbritannien (223). Wenn man die beiden Anfangsjahre 1980 und 1981 ausklammert, also ab 1982 rechnet, sind DM sogar öfter in Deutschland aufgetreten als in ihrer britischen Heimat: Dann steht es 168:149.

Hier die grafische Auswertung nach Ländern. Ihr könnt einfach den Kartenausschnitte mit der Maus verschieben, das Zoomlevel verändern (links) oder ein Land in die Suchmaske oben rechts eingeben. Per Klick oder per Mouse-Over seht ihr, wie viele Konzerte Depeche Mode in dem betreffenden Land gespielt haben.

Unter den Städten rangiert Berlin mit 23 Konzerten auf Platz 1, das legendäre 88er Konzert im Ostteil der Stadt eingerechnet. Zweiter ist mit 19 Gigs Hamburg, darunter auch das erste Konzert in Deutschland am 25. September 1981 in der Markthalle. Dritter ist München mit 13 Shows.
Mit diesen Zahlen liegen die drei deutschen Metropolen auch im weltweiten Ranking gut im Rennen: Berlin ist 4., Hamburg 7. und München 13. Logisch, dass London mit 67 Konzerten auf Platz 1 liegt, allerdings fand auch hier fast die Hälfte davon in der Frühphase der Band 1980/81 statt. Auf den Plätzen folgen dann Los Angeles, Paris, Berlin und New York.
Es liegen also insgesamt die großen Metropolen vorne, hier gibt es den größten Markt und auch die größten Arenen. Im Laufe der Jahre wurden die Konzertsäle immer größer. Sehr schön lässt sich das am Beispiel München nachvollziehen:

  • 1982 Alabama-Halle, Fassungsvermögen: 1000 Personen (genaue Zuschauerzahlen sind noch zu recherchieren)
  • 1984 Deutsches Museum, Fassungsvermögen: ?
  • 1986 Rudi-Sedlmayr-Halle, 6000-7000 Plätze
  • 1987, 90, 93, 98, 2001, 06: Olympiahalle, 15.500 Plätze bei unbestuhlter Arena
  • 2009, 13: Olympiastadion, 62.976 Zuschauer (beim Konzert am 1.6.2013)

Gerade in der ersten Hälfte der Achtziger spielten DM auch in kleineren deutschen Städten wie Goslar, Minden, Sindelfingen, Borken oder Neu-Isenburg. Mittlerweile waren sie in allen Bundesländern bis auf Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Nicht nur in Deutschland gibt es dieses West-Ost-Gefälle, sondern auch in der Gesamtheit der Konzerte. Das liegt natürlich auch daran, dass DM bis zum Zusammenbruch des Ostblocks fast ausschließlich in Westeuropa und Nordamerika spielen konnten. Ausnahmen waren die Konzerte in Warschau 1985, in Budapest 1985 und 1988, Prag 1988 und eben in Ost-Berlin 1988.

Hier die Grafik zum DM-Städteranking:

Es dürfte nicht viele Bands geben, die auf allen Kontinenten live gespielt haben. DM wurden auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, rund um die World Violation Tour, die Devotional Tour und die anschließende Exotic Tour zum weltweiten (Livekonzert-)Phänomen. Hier die Reihenfolge der Kontinente:

  • Europa: 31. Mai 1980: 1. Konzert in der St. Nicholas School in der DM-Heimatstadt Basildon
  • Nordamerika: 22. Januar 1982, The Ritz, New York. Übrigens das zweite Konzert von Alan Wilder, der Vince Clarke ersetzt hatte.
  • Asien: 2. April 1983 im Tsubaki House in Tokio (Broken Frame Tour)
  • Australien: 31. August 1990 im Hordern Pavilion in Sydney (World Violation Tour)
  • Afrika: 9. Februar 1994 in der Standard Bank Arena von Johannesburg, Südafrika (The Exotic Tour)
  • Südamerika: 4. April 1994 im Olympia, Sao Paulo, Brasilien (The Exotic Tour)

Allerdings machen die auf der südlichen Halbkugel gespielten Konzerte gerade mal zwei Prozent der insgesamt 1202 Konzerte aus. Der Schwerpunkt liegt ganz eindeutig in Europa und Nordamerika. Jetzt hoffen wir, dass  DM ihre Konzertgeschichte fortschreiben.

Alle Depeche-Mode-Konzerte visualisiert: Die Tücken der Geocodierung

Hobby und Beruf verknüpfen – das war das Motiv für meine Idee,  alle Depeche Mode-Konzerte seit 1980 auszuwerten und zu visualisieren. Nicht ganz trivial, aber sehr lehrreich: Damit die Geocodierung klappt, ist ein sauberer Datensatz das A und O. Doch der will hart erarbeitet sein – wie ich es nach langen Mühen schließlich hinbekommen habe.

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MOOCs: Freier Wissensfluss, flexible Fortbildung

Wer ein bisschen mit offenen Augen durchs Netz geht, begegnet in letzter Zeit an jeder Ecke MOOCs. MOOCs? Ist nicht der Heimatplanet von Alf, sondern die Abkürzung für Massive Open Online Courses – webbasierte Kurse, die oft auch zu journalistischen Themen angeboten werden.

Das Konzept ist einfach: Interessenten registrieren sich auf einer E-Learning-Plattform und haben dann Zugang zum Lernmaterial. Dazu zählen in der Regel fünf Elemente:

  1. Videos oder besser gesagt Screencasts, in denen die Lehrer ihre Lektionen geben und am Bildschirm die konkrete Anwendung diskutieren.
  2. Links zur Hintergrundlektüre
  3. Aufgaben, die die Teilnehmer alleine oder im Team bis zu einem bestimmten Zeitpunkt lösen sollen
  4. Diskussionsforen, in denen die Teilnehmer Fragen an die Lehrer stellen oder sich untereinander austauschen können. Die Teilnehmer geben sich hier oft selbst Feedback angewandt, da die Lehrer nicht alle eingereichten Lösungen korrigieren können
  5. ein Multiple-Choice-Quiz, in dem die Teilnehmer überprüfen können, wie viel sie tatsächlich mitgenommen haben

Die meisten MOOCs werden auf englisch abgehalten und haben keine Teilnehmerbeschränkung, es können also schon mal mehrere Tausend Teilnehmer aus verschiedenen Kontinenten zusammenkommen. Wegen der unterschiedlichen Zeitzonen der Teilnehmer gibt es meist auch keine Live-Sessions – statt dessen arbeitet sich jeder dann durch die Aufgaben, wenn er/sie gerade Zeit und Lust hat.  Oft ist es auch so, dass von den Tausenden Eingeschriebenen nur ein Bruchteil alle Aufgaben abliefert. (90:10:9:1-Regel). Eigenverantwortung rules – und jeder bestimmt selbst, wie viel er lernen möchte. In den  meisten MOOCs gibt es eine Lektion pro Woche. Wer mal keine Zeit hat, kann so auch nacharbeiten.

Englisch ist auch bei MOOCs die lingua franca

Es gibt viele Anbieter von MOOCs, aber egal, ob sie aus Deutschland, den USA oder den Niederlanden kommen: Alle bieten ihre Kurse auf englisch an. Einer der größten Anbieter von MOOCs kommt aus Deutschland: Iversity.org aus Berlin bietet eine Menge interdisziplinäre Kurse an, von denen einige auch für digital versierte Journalisten interessant sind, etwa „The Future of Storytelling“ oder „Grundlagen der Web-Entwicklung„. Unter den Dozenten sind zahlreiche Hochschul-Professoren.

Speziell auf Journalisten hat sich das Knight Center for Journalism in the Americas an der University of Texas in Austin konzentriert. Hier gibt es regelmäßig MOOCs zu Themen wie Datenjournalismus, Datenvisualisierung, journalistische Projekte entwickeln oder Wahlberichterstattung. Die Resonanz war enorm: an insgesamt sieben Kursen nahmen mehr als 27.000 Leute aus über 150 Ländern teil! Am 3. Februar geht der nächste MOOC zum Thema „Social Media for Journalists“ los:

 

Unter dem Eindruck der NSA-Abhörwahnsinns hat die Deutsche Welle im Dezember 2013 einen Open Online Workshop zum Thema Digital Safety for Journalists angeboten. Hier gab es zwar auch Live-Sessions, die aber alle aufgezeichnet wurden. Vorteil der Live-Sessions: Die Teilnehmer können die Referenten per Chat direkt befragen.

Und dann ist da noch das European Journalism Center, das für Frühjahr 2014 einen MOOC zum Datenjournalismus angekündigt hat:


Hier werden absolute Branchengrößen wie Simon Rogers (Einführung), Nicolas Kayser-Bril (Datenanalyse) oder Alberto Cairo (Datenvisualisierung) die wöchentlichen Lektionen geben.

Journalismus wird durch die Digitalisierung komplexer – speziell, was die (visuelle) Aufbereitung anbelangt. Viele etablierte Journalisten fordern mehr Experimentierfreude und mahnen Fortbildung im Umgang mit neuen Techniken und Tools an. Die MOOCs reagieren auf diese Anforderung und geben den Teilnehmern dabei viel zeitliche und inhaltliche Flexibilität. Dieser „Open Education“-Ansatz zeigt, wie wertvoll das Netz für den freien Fluss des Wissens ist.

 

Dieser Artikel ist zuerst auf dem Blog von Torial – dem Portfolio für Journalisten erschienen

Kurze Einführung in den Datenjournalismus

Bei den Medientagen München habe ich in einem kurzen Workshop die Grundzüge des Datenjournalismus erklärt: Was ist Datenjournalismus? Beispiele für guten Datenjournalismus? Wo finde ich Daten und wie bereinige ich sie? Grafiken erstellen mit dem Datawrapper. Die Präsentation dazu habe ich auf Slideshare veröffentlicht:

Journalistenschüler covern #nr13

Am meisten lernt man beim Ausprobieren. Diese Devise befolgen Journalistenschulen schon länger, in den vergangenen Monaten aber auch öffentlich sichtbarer als sonst. Vom Bundesparteitag der Piraten 2012 berichteten Schüler der Henri-Nannen-Schule für sueddeutsche.de, bei der re:publica 13 waren es die Schüler der Deutschen Journalistenschule, die zu jedem der drei Veranstaltungsstage einen E-Book-Reader erschrieben und nun war die Jahreskonferenz 2013 des Netzwerks Recherche das Übungsfeld. Schüler der DJS, Stipendiatinnen der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm „Medienvielfalt, anders“ der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Studenten der Katholischen Universität Eichstätt, Journalismus-Studenten aus Bremen, Leipzig und Dortmund, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg sowie Volontären/innen der dpa, der Axel-Springer-Akademie und der Evangelischen Journalistenschule Berlin haben sich zusammengetan, um die #nr13 zu covern.

Der Nestbeschmutzer zur #nr13
Der Nestbeschmutzer zur #nr13

Zum einen mit einem Blog, der über einen Gutteil der knapp 100 Veranstaltungen berichtet, zum anderen in der Konferenzzeitung „Netzbeschmutzer“. Ein guter Service für die Konferenz-Teilnehmer: Eine Entscheidung für ein Podium ist leider immer auch eine Entscheidung gegen die bis zu sieben parallel laufenden Veranstaltungen. Und auch die Journalismus-Interessierten, die daheim bleiben mussten, werden diese Form der Dokumentation sicher schätzen. Insofern: vielen Dank an die Zukunftshoffnungen unseres Berufsstandes.

P.S.: Wer ganz viel Zeit hat, dem seien die Videos der Isarrunde empfohlen, die im größten Saal K 1 ihre Kamera aufgebaut hatte.