Hackdays – auch für Journalisten interessant

Zugegeben: Auf den ersten Blick klingt Hackday recht nerdig und eher für Programmier als für Journalisten. Dennoch sind Hackdays oder Hackathons auch für Journalisten interessant, weil sich hier die Gelegenheit, mit Programmierern ins Gespräch zu kommen oder ganz konkret gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Und beim jüngsten Hackday von Code for München ist sogar eine Anleitung explizit für Datenjournalisten entstanden. Hier der Rückblick in einer Storify. Hackdays – auch für Journalisten interessant weiterlesen

journo2014: Was Journalisten können müssen

Vor kurzem hat der geschätzte Kollege Dirk von Gehlen auf seinem Blog gefragt: „Welche Regeln sollte man befolgen, um ein guter Journalist zu sein„? Damit das Ganze ein bisschen Fahrt aufnimmt, hat er auf Twitter den Hashtag #journo2014 aufgemacht und in der Tat eine Menge qualifiziertes Feedback dazu bekommen. Da es bei dieser Frage darum geht, wie sich das journalistische Berufsbild im Digitalzeitalter wandelt, ist das für mich als Journalisten-Trainer eine hoch relevante Debatte, in die ich mich auch eingeschaltet habe. Darum ist es mir wichtig, die aus meiner Sicht relevantesten Beiträge hier noch mal zu dokumentieren – und auch ein bisschen zu ordnen. journo2014: Was Journalisten können müssen weiterlesen

Best of „Besser Online“ 2014

„Das Netz in die Hand nehmen“ lautete das Motto, unter dem der Deutsche Journalistenverband (DJV) in die Berliner Kalkscheune eingeladen hatte. Das Spektrum war weit, von SEO über Datenjournalismus und mobile Reporting bis zu Bezahlmodellen. Hier die Dokumentation.

https://storify.com/berndoswald/besser-online-2014

Was ist eigentlich Prozessjournalismus?

Im Rahmen eines Webinars für die FES-Journalistenakademie zum Thema „Innovatives Storytelling“ haben wir uns in einer Sitzung mit dem Thema „Prozessjournalismus“ beschäftigt. Das journalistische Arbeiten führt immer seltener zu einem in sich abgeschlossenen Produkt, sondern wird immer mehr ein Prozess: bei Recherche, bei Aktualisierungen, bei Weiterdrehs. Ich habe ein paar Beispiele vorgestellt (u.a. Live-Blogs) und auch die Phänomene „structured journalism“ und „Crowdsourcing“ angesprochen. Hier die zugehörige Präsentation:

1202 Gigs in 34 Jahren: Die Konzert-Welt von Depeche Mode

Im März haben Depeche Mode die „Delta Machine Tour“ abgeschlossen, ihre nach eigener Zählung 17. Tour. Viele DM-Fans feierten wieder bei einem oder mehreren Konzerten mit und haben das auch in Fanreports festgehalten. Ich war selbst im Münchner Olympiastadion dabei – und fragte mich danach: Wo haben DM eigentlich schon überall gespielt – und welchen Stellenwert hat Deutschland über die Jahre im DM-Tourkalender gehabt? Also habe ich mir von der DM-Tour-Archiv-Seite die Daten aller 1202 Mode-Konzerte seit 1980 in ein Excel-Dokument gezogen und ausgewertet. Das Resultat: 169 Mal spielten die Jungs hierzulande. Pro Tour sind das im Schnitt elf Auftritte in Deutschland. Mehr als jedes zehnte DM-Konzert hat in Deutschland stattgefunden. Insgesamt liegt Deutschland auf Platz 3 hinter den USA (341) und Großbritannien (223). Wenn man die beiden Anfangsjahre 1980 und 1981 ausklammert, also ab 1982 rechnet, sind DM sogar öfter in Deutschland aufgetreten als in ihrer britischen Heimat: Dann steht es 168:149.

Hier die grafische Auswertung nach Ländern. Ihr könnt einfach den Kartenausschnitte mit der Maus verschieben, das Zoomlevel verändern (links) oder ein Land in die Suchmaske oben rechts eingeben. Per Klick oder per Mouse-Over seht ihr, wie viele Konzerte Depeche Mode in dem betreffenden Land gespielt haben.

Unter den Städten rangiert Berlin mit 23 Konzerten auf Platz 1, das legendäre 88er Konzert im Ostteil der Stadt eingerechnet. Zweiter ist mit 19 Gigs Hamburg, darunter auch das erste Konzert in Deutschland am 25. September 1981 in der Markthalle. Dritter ist München mit 13 Shows.
Mit diesen Zahlen liegen die drei deutschen Metropolen auch im weltweiten Ranking gut im Rennen: Berlin ist 4., Hamburg 7. und München 13. Logisch, dass London mit 67 Konzerten auf Platz 1 liegt, allerdings fand auch hier fast die Hälfte davon in der Frühphase der Band 1980/81 statt. Auf den Plätzen folgen dann Los Angeles, Paris, Berlin und New York.
Es liegen also insgesamt die großen Metropolen vorne, hier gibt es den größten Markt und auch die größten Arenen. Im Laufe der Jahre wurden die Konzertsäle immer größer. Sehr schön lässt sich das am Beispiel München nachvollziehen:

  • 1982 Alabama-Halle, Fassungsvermögen: 1000 Personen (genaue Zuschauerzahlen sind noch zu recherchieren)
  • 1984 Deutsches Museum, Fassungsvermögen: ?
  • 1986 Rudi-Sedlmayr-Halle, 6000-7000 Plätze
  • 1987, 90, 93, 98, 2001, 06: Olympiahalle, 15.500 Plätze bei unbestuhlter Arena
  • 2009, 13: Olympiastadion, 62.976 Zuschauer (beim Konzert am 1.6.2013)

Gerade in der ersten Hälfte der Achtziger spielten DM auch in kleineren deutschen Städten wie Goslar, Minden, Sindelfingen, Borken oder Neu-Isenburg. Mittlerweile waren sie in allen Bundesländern bis auf Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Nicht nur in Deutschland gibt es dieses West-Ost-Gefälle, sondern auch in der Gesamtheit der Konzerte. Das liegt natürlich auch daran, dass DM bis zum Zusammenbruch des Ostblocks fast ausschließlich in Westeuropa und Nordamerika spielen konnten. Ausnahmen waren die Konzerte in Warschau 1985, in Budapest 1985 und 1988, Prag 1988 und eben in Ost-Berlin 1988.

Hier die Grafik zum DM-Städteranking:

Es dürfte nicht viele Bands geben, die auf allen Kontinenten live gespielt haben. DM wurden auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, rund um die World Violation Tour, die Devotional Tour und die anschließende Exotic Tour zum weltweiten (Livekonzert-)Phänomen. Hier die Reihenfolge der Kontinente:

  • Europa: 31. Mai 1980: 1. Konzert in der St. Nicholas School in der DM-Heimatstadt Basildon
  • Nordamerika: 22. Januar 1982, The Ritz, New York. Übrigens das zweite Konzert von Alan Wilder, der Vince Clarke ersetzt hatte.
  • Asien: 2. April 1983 im Tsubaki House in Tokio (Broken Frame Tour)
  • Australien: 31. August 1990 im Hordern Pavilion in Sydney (World Violation Tour)
  • Afrika: 9. Februar 1994 in der Standard Bank Arena von Johannesburg, Südafrika (The Exotic Tour)
  • Südamerika: 4. April 1994 im Olympia, Sao Paulo, Brasilien (The Exotic Tour)

Allerdings machen die auf der südlichen Halbkugel gespielten Konzerte gerade mal zwei Prozent der insgesamt 1202 Konzerte aus. Der Schwerpunkt liegt ganz eindeutig in Europa und Nordamerika. Jetzt hoffen wir, dass  DM ihre Konzertgeschichte fortschreiben.

Alle Depeche-Mode-Konzerte visualisiert: Die Tücken der Geocodierung

Hobby und Beruf verknüpfen – das war das Motiv für meine Idee,  alle Depeche Mode-Konzerte seit 1980 auszuwerten und zu visualisieren. Nicht ganz trivial, aber sehr lehrreich: Damit die Geocodierung klappt, ist ein sauberer Datensatz das A und O. Doch der will hart erarbeitet sein – wie ich es nach langen Mühen schließlich hinbekommen habe.

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Daten – Treibstoff für (Münchener) Journalisten

Private Daten schützen, öffentliche Daten nützen. In München kann man das in zwei spannenden Bewegungen ausprobieren: dem Datenjournalismus-Stammtisch ddjmonaco und dem Münchener Ableger der Open-Data-NGO Open Knowledge Foundation – Synergien nicht ausgeschlossen.

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MOOCs: Freier Wissensfluss, flexible Fortbildung

Wer ein bisschen mit offenen Augen durchs Netz geht, begegnet in letzter Zeit an jeder Ecke MOOCs. MOOCs? Ist nicht der Heimatplanet von Alf, sondern die Abkürzung für Massive Open Online Courses – webbasierte Kurse, die oft auch zu journalistischen Themen angeboten werden.

Das Konzept ist einfach: Interessenten registrieren sich auf einer E-Learning-Plattform und haben dann Zugang zum Lernmaterial. Dazu zählen in der Regel fünf Elemente:

  1. Videos oder besser gesagt Screencasts, in denen die Lehrer ihre Lektionen geben und am Bildschirm die konkrete Anwendung diskutieren.
  2. Links zur Hintergrundlektüre
  3. Aufgaben, die die Teilnehmer alleine oder im Team bis zu einem bestimmten Zeitpunkt lösen sollen
  4. Diskussionsforen, in denen die Teilnehmer Fragen an die Lehrer stellen oder sich untereinander austauschen können. Die Teilnehmer geben sich hier oft selbst Feedback angewandt, da die Lehrer nicht alle eingereichten Lösungen korrigieren können
  5. ein Multiple-Choice-Quiz, in dem die Teilnehmer überprüfen können, wie viel sie tatsächlich mitgenommen haben

Die meisten MOOCs werden auf englisch abgehalten und haben keine Teilnehmerbeschränkung, es können also schon mal mehrere Tausend Teilnehmer aus verschiedenen Kontinenten zusammenkommen. Wegen der unterschiedlichen Zeitzonen der Teilnehmer gibt es meist auch keine Live-Sessions – statt dessen arbeitet sich jeder dann durch die Aufgaben, wenn er/sie gerade Zeit und Lust hat.  Oft ist es auch so, dass von den Tausenden Eingeschriebenen nur ein Bruchteil alle Aufgaben abliefert. (90:10:9:1-Regel). Eigenverantwortung rules – und jeder bestimmt selbst, wie viel er lernen möchte. In den  meisten MOOCs gibt es eine Lektion pro Woche. Wer mal keine Zeit hat, kann so auch nacharbeiten.

Englisch ist auch bei MOOCs die lingua franca

Es gibt viele Anbieter von MOOCs, aber egal, ob sie aus Deutschland, den USA oder den Niederlanden kommen: Alle bieten ihre Kurse auf englisch an. Einer der größten Anbieter von MOOCs kommt aus Deutschland: Iversity.org aus Berlin bietet eine Menge interdisziplinäre Kurse an, von denen einige auch für digital versierte Journalisten interessant sind, etwa „The Future of Storytelling“ oder „Grundlagen der Web-Entwicklung„. Unter den Dozenten sind zahlreiche Hochschul-Professoren.

Speziell auf Journalisten hat sich das Knight Center for Journalism in the Americas an der University of Texas in Austin konzentriert. Hier gibt es regelmäßig MOOCs zu Themen wie Datenjournalismus, Datenvisualisierung, journalistische Projekte entwickeln oder Wahlberichterstattung. Die Resonanz war enorm: an insgesamt sieben Kursen nahmen mehr als 27.000 Leute aus über 150 Ländern teil! Am 3. Februar geht der nächste MOOC zum Thema „Social Media for Journalists“ los:

 

Unter dem Eindruck der NSA-Abhörwahnsinns hat die Deutsche Welle im Dezember 2013 einen Open Online Workshop zum Thema Digital Safety for Journalists angeboten. Hier gab es zwar auch Live-Sessions, die aber alle aufgezeichnet wurden. Vorteil der Live-Sessions: Die Teilnehmer können die Referenten per Chat direkt befragen.

Und dann ist da noch das European Journalism Center, das für Frühjahr 2014 einen MOOC zum Datenjournalismus angekündigt hat:


Hier werden absolute Branchengrößen wie Simon Rogers (Einführung), Nicolas Kayser-Bril (Datenanalyse) oder Alberto Cairo (Datenvisualisierung) die wöchentlichen Lektionen geben.

Journalismus wird durch die Digitalisierung komplexer – speziell, was die (visuelle) Aufbereitung anbelangt. Viele etablierte Journalisten fordern mehr Experimentierfreude und mahnen Fortbildung im Umgang mit neuen Techniken und Tools an. Die MOOCs reagieren auf diese Anforderung und geben den Teilnehmern dabei viel zeitliche und inhaltliche Flexibilität. Dieser „Open Education“-Ansatz zeigt, wie wertvoll das Netz für den freien Fluss des Wissens ist.

 

Dieser Artikel ist zuerst auf dem Blog von Torial – dem Portfolio für Journalisten erschienen