Live, multimedial, dialogisch – Journalismus-Trends im Digitalzeitalter

In den kommenden Wochen betreue ich die 50 K der Deutschen Journalistenschule in puncto Crossmedialität. Zwar stehen zuerst noch Zeitschrift, Radio und Fernsehen auf dem Lehrplan, damit die Nachwuchsjournalisten aber von vornherein medienübergreifend denken, habe ich sie heute dafür sensibilisiert. Hier die Folien, anhand derer ich Chancen und Anforderungen von Journalismus im Digitalzeitalter erläutert habe.

Süddeutsche.de-Redesign: Näher ans Mutterschiff

Neues Design von Süddeutsche.de nach dem Relaunch 2012
Neues Design von Süddeutsche.de

Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres hat süddeutsche.de an seiner Homepage geschraubt: Durch die zeitungsähnliche Optik, das „ü“ in Logo und Domain, und die Integration von jetzt.de und SZ-Magazin in die Homepage ist die Gesamtmarke „Süddeutsche“ gestärkt. Zugleich schärft die Online-Redaktion mit ihren neuen Social Media-Angeboten, dem neuen interessanten Digitalblog und der stärkeren Betonung des Selbstverständnisses als Live-Medium ihr eigenes Profil.

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SZ auf dem iPad: multimedial top, interaktiv ein Flop

So sieht die Startseite einer iPad-Ausgabe aus. Die Navigation links ist immer präsent

Vier Monate nach dem SZ-Magazin geht nun auch die Süddeutsche Zeitung selbst mit einer eigenen iPad-App an den Start: Die Benutzerführung ist logisch, optisch ist die App ansprechend, es wird auch viel multimedialer Mehrwert geboten. Schade ist nur, dass die App in sich abgeschlossen ist und auch kein Feedback erlaubt.

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BR.de-Relaunch: schön, aber mit Schönheitsfehlern

BR.de im neuen Look&Feel

Der Bayerische Rundfunk hat seiner Website die dringend nötige Frischzellenkur genehmigt. Was auf den ersten Blick schön aussieht, hat aber ein paar inhaltliche Schönheitsfehler.

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Scheuklappen im Schnelligkeitswahn

Mit Live-Tickern und -Blogs wollen Online-Medien ihre Stärke zur Echtzeitkommunikation ausspielen. Gespeist werden diese Formate meist nur mit Material aus anderen journalistischen Quellen. Dabei kann User Generated Content hilfreicher sein – wenn man ihn zu verifizieren weiß. Anmerkungen zur Diskussion über den Schnelligkeitswahn im Onlinejournalismus auf der Konferenz „Besser Online 2011“.

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SZ Magazin goes iPad: Mehrwert mit Stil

Vor einigen Monaten probierte das SZ-Magazin Augmented Reality aus. Eine schöne Spielerei, aber ein bisschen fummelig und so einen rechten Mehrwert hatte das alles nicht. Ganz anders jetzt bei der iPad-App des SZ Magazins, die es seit der aktuellen Ausgabe zum Preis von 0,79 Cent pro Ausgabe gibt (der ist nicht weiter tragisch, findet aber auf sz-magazin.de/ipad nirgendwo Erwähnung…) .

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Storify im Praxistest

Vor kurzem habe ich über das Kuratieren gebloggt und dabei auch Storify erwähnt, den Dienst der sich meines Erachtens am besten eignet, um Web-Inhalte zu Kuratieren. Bislang war Storify nur mit einem Invite zugänglich, jetzt ist die Public beta-Phase angelaufen. jeder, der will, kann sich einen Storify-Account besorgen. Ein guter Zeitpunkt, um einen genaueren Blick auf die Funktionalität zu werfen und ein paar Tipps fürs Storifying zu geben.

Mit „New Story“ geht’s los, es erscheint ein graues Kopffeld, in dem man einen Titel und einen Vorspann schreiben kann. Das Bildfenster ist erst mal leer. Wenn man später In die eigentliche Story Inhalte mit Bildern eingefügt hat, kann man das Bilder-Feld durchklicken und ein Wunschbild auswählen, das dann quasi als Teaser-Bild fungiert.

Einbetten verschafft Transparenz

Storify funktioniert ganz einfach nach dem Drag and Drop-Prinzip. Im linken Fenster wählt man die Web-Inhalte aus und zieht sie dann ins rechte Textfeld, wo man sie loslässt. Das Tool generiert dabei einen Embed-Code und zeigt das ausgewählte Stück wie im Original an. Das ist einerseits sehr authentisch, andererseits verschafft es Transparenz, weil der Urheber immer ersichtlich bleibt und auch verlinkt ist.

Es gibt eigentlich nichts, was man nicht auswählen kann. Eigene Suchfunktionen gibt es für die großen Tanker Twitter, Facebook, youTube und Flickr. Man kann aber auch RSS-Feeds oder jede x-beliebige URL eingeben.

Storify-Screenshot. Links das Auswahlfenster für Web-Inhalte, rechts die eigene Story
Storify-Screenshot. Links das Auswahlfenster für Web-Inhalte, rechts die eigene Story

So weit, so gut. Nun stehen die Inhalte in der Reihenfolge untereinander. Per Drag and Drop kann man das jederzeit verändern. Richtig interessant und zur eigentlich journalistischen Leistung wird die Story erst durch eine Kommentierung bzw Einordnung der Tweets, Bilder, Videos oder Seiten. Dazu gibt es ein unscheinbares Textfeld, das Dur h ein „T“ symbolisiert ist. Klickt man drauf, öffnet sich ein Drop-down-Fenster, in das man schreiben kann. Was, hängt von der Konzeption der Story ab. Verwendet man Storify zur Echtzeit-Berichterstattung, kann man den Verlauf einer Geschichte dokumentieren und die Quelle erläutern. Das ist vor allem bei auf den ersten Blick unbekannten Urhebern geboten, speziell bei privaten Bloggern und Twitterern. Vorher muss der gute Journalist natürlich überprüft haben, ob es sich um eine vertrauenswürdige Quelle handelt.

Bei der Echtzeitberichterstattung stellt sich natürlich die Frage, wo bzw. wann man aufhört. Eine kommentierte Story wird schnell lang und unübersichtlich. Und oft ist nicht absehbar, wie lange ein Thema weitergeht. Und mit zu vielen Stories will man den Leser ja auch nicht überschwemmen.

Ich habe Storify bei meinen Tests vor allem dafür verwendet, um die wesentlichen Etappen einer Geschichte zu dokumentieren und im Zweifelsfall eine neue Story gestartet. Hier mal ein Beispiel (danach geht die Anleitung weiter…)

Ich würde sagen: Weniger ist mehr, die journalistische Selektionskompetenz ist gefragt.

Es muss aber ja nicht immer der ganz große Wurf sein, dass man Inhalte aus dem gesamten social web (Twitter, Facebook, youTube und Flickr) aggregiert und einordnet. Man kann Storify auch dazu nutzen, einfach nur eine Blogschau oder eine kommentierte Linkliste (zu Homepages) zu verfassen. Beides sieht durch die Embed-Funktionalität ungleich besser aus als ein Artikel mit vielen Links in einem klassischen redaktionellen CMS.

Urheber mit einem Klick benachrichtigen

Wenn die Story dann fertig ist, kann man sie mit einem Klick veröffentlichen. Wer will, kann dabei alle Leute (auf Twitter), deren Content er eingebunden hat, per Reply-Funktion in Kenntnis setzen und so für mehr Aufmerksamkeit sorgen und den Mulitplikatoreneffekt im Netz nutzen. Logischerweise kann man die Story auch sofort auf Facebook und Twitter veröffentlichen. Was aber tun, wenn der Ressortleiter fragt: „schön und gut, wenn das auf Storify ist, aber ich will die Geschichte auf unserer Seite haben?“ Auch das ist kein Problem, es gibt einen Embed-Code, mit dem man die Story auf der eigenen Seite einbetten kann.

Storify ist sicher noch nicht 100%ig ausgereift, vielleicht kommt auch die eine oder andere neue Funktionalität hinzu, etwa, dass mehrere Autoren gleichzeitig eine Story erstellen können. Für den journalistischen Gebrauch ist das aber gar nicht nötig.

Wie sind Eure (journalistischen) Erfahrungen mit Storify? Für welche Art des Stotytellings nutzt ihr das?

Linklisten waren gestern, kuratieren ist die Zukunft

Die Informationsflut im Internet fordert die Journalisten heraus. Sie müssen mehr denn je fremde Inhalte sichten, aufbereiten und in einen Zusammenhang stellen. Wenn sich Journalisten in die Rolle des Mehrwert schaffenden Kurators begeben, entsteht eine neue Form des Storytellings.
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