Ich war so frei: Journalistentraining in der Mongolei

GIZ-Journalistentraining in der Mongolei
Das Gruppenbild mit mir und den GIZ-Teilnahmeurkunden war den mongolischen Kollegen wichtig…

Als selbständiger Journalistentrainer erlebt man immer mal wieder Abenteuer: Was ich in der Mongolei über Medien und Politik gelernt habe und warum die mongolischen Journalisten meine dankbarsten Seminarteilnehmer ever waren.

Das Leben als freier Journalist ist immer wieder für Überraschungen gut. Im Februar gab es eine besonders große. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, besser bekannt als GIZ, fragte mich, ob ich Lust auf ein Journalistentraining in der Mongolei hätte. Ich gebe seit über zehn Jahren Journalistentrainings, teilweise auch im Ausland, aber so was exotisches wie die Mongolei war natürlich noch nicht dabei. Klar hatte ich Lust, zumal es explizit um digitalen Journalismus gehen sollte.

Ende April, Anfang Mai war ich dann tatsächlich in Ulan Bator, um drei Gruppen mongolischer Journalisten jeweils drei Tage lang zu Do’s and Dont’s im digitalen Journalismus zu coachen. Da ich so viel mongolisch spreche wie ein Baby ganze Sätze, gab es eine Übersetzerin – die sogar meine Präsentation ins Mongolische übertrug. Hier binde ich lieber mal die englische Fassung ein:

Aber trotz Übersetzung kam durchaus ein Dialog zustande: Die mongolischen Kollegen hinterfragten zum Beispiel den Fall Böhmermann gegen Erdogan und waren auch sonst sehr an den journalistischen Arbeitsbedingungen in Deutschland interessiert. Aber auch ich habe in den neun Tagen viel gelernt, über Kultur, Medienlandschaft und Politik in der Mongolei, zum Beispiel:

  • Es gibt eine sehr breit gefächerte Medienlandschaft in der Mongolei, egal ob es um Zeitungen, TV-Sender oder Online-Medien geht. Bei gerade mal drei Millionen Einwohnern, von denen knapp die Hälfte in Ulan Bator lebt, ist das durchaus erstaunlich.
  • Die Pressefreiheit in der Mongolei ist vergleichsweise gut ausgeprägt. In der Rangliste der Reporter ohne Grenzen liegt sie auf Platz 60 von 180 erfassten Ländern. In Asien zählt sie zu den Spitzenreitern, liegt sogar vor Japan.
  • Hauptproblem der Pressefreiheit in der Mongolei ist die starke Interessengebundenheit der Medien, die (oft nur schwer recherchierbaren) Eigentümer sehen in ihren Medien ein Mittel, ihre Interessen zu transportieren
  • eine Trennung zwischen Redaktion und Anzeigen findet nicht transparent statt. Bezahlte Artikel, die nicht als solche gekennzeichnet werden, sind an der Tagesordnung.
  • Investigativer Journalismus ist die Ausnahme. Wenn mongolische Journalisten Missstände in Wirtschaft und Politik aufdecken, laufen sie Gefahr, wegen Diffamierung angezeigt – und oft auch verurteilt zu werden.

Mein persönliches Highlight war die stark ausgeprägte Dankbarkeit fast aller Teilnehmer. Vor allem die zahlreichen Tools zur Recherche, Verifizierung und Visualisierung haben ihnen besonders gut gefallen. Einige kündigten an, das Gelernte an Kollegen und an ihre Studenten weiterzugeben. Dozentenherz, was willst Du mehr?

5 Gedanken zu „Ich war so frei: Journalistentraining in der Mongolei“

  1. Hallo Herr Oswald,

    vielen Dank für den ersten Einblick in die Medienwelt der Mongolei. Haben Sie Informationen, inwiefern JournalistInnen dort eine eigene Gewerkschaft / einen Berufsverband / eigene Lobbygruppen haben, die für ihre Rechte kämpfen bzw. für bessere Mediengesetze?
    Und: Geben Sie dazu in Ihren Trainings Tipps, wenn sowas in anderen Ländern noch zu wenig ausgebildet ist?

    1. In der Mongolei gibt es ein Presse Institut, das sich vorrangig um die Aus- und Fortbildung der Journalisten kümmert und sich als NGO sieht. Darüber hinaus gibt es seit 2015 den mongolischen Presserat, ein Organ der publizistischen Selbstkontrolle, der ganz nach dem Vorbild des deutschen Presserates gegründet wurde und mit diesem auch zusammenarbeitet. Eine „richtige“ Journalistengewerkschaft ist mir nicht untergekommen, was aber nicht heißt, dass es das nicht gibt.
      In meinem Training in Ulan Bator haben ich mit den mongolischen Kollegen natürlich auch über die Probleme bzw. Grenzen der Pressefreiheit dort diskutiert.

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